《Tor zur Tiefe [German]》Die Nacht
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Kapitel 3: Die Nacht
Maya begann Tatsachen zu akzeptieren.
Die Tatsache, dass ein Kriegsschiff voller Soldaten von einem unbekannten Feind ausgelöscht wurde.
Die Tatsache, dass sie von einer pferdegroßen Katze mit Flügeln angegriffen wurde, welche sie mit einem Schwert bekämpft hatte.
Die Tatsache, dass sie einen erschreckend gut aussehenden Typen aus einem Grab befreit hatten, der aber leider kein Wort von dem verstand, was sie sagten.
Ach ja, und die Tatsache, dass dieser Typ namens Dragon und Loras schon beste Freunde zu sein schienen, ohne sich überhaupt zu verstehen!
"Also wir, Maya und ich, kommen ganz aus dem Norden des Imperiums, sind zusammen im gleichen Dorf aufgewachsen. Und wie es das Schicksal so wollte, oder besser gesagt der Krieg, wurden wir beide in die imperiale Marine einbezogen und sind am selben Schiff gelandet. Sie als Köchin, ich als Schiffsjunge"
Loras erzählte Dragon seine halbe Lebensgeschichte.
"YA ponyatiya ne imeyu, gde ya i kto ty. U menya tozhe net vospominaniy o moyey proshloy zhizni. Nu, mozhet byt', nebol'shiye kuski stsen."
Dragon wechselte sich heiter mit Loras ab.
"Weiß du, das Imperium aus dem wir kommen... naja sagen wir es ist nicht gerade auf der Höhe seiner Macht. In den letzten Jahren haben wir immer mehr an Land verloren an diese... eigentlich will ich nicht davon sprechen. Jedenfalls haben wir befürchtet, auch in den Kampfeinsatz geschickt zu werden, aber stattdessen wurden wir auf der "Erzwinger" stationiert, deren Ziel das hier war. Das Ende der Welt."
"Do sikh por pomnyu, chto menya v grob polozhil zelenovolosyy muzhchina. Ne dumayu, chto ya zdes' zhil, po krayney mere, ne na ostrove. Tam, gde ya zhil, byl bol'shoy gorod s bol'shim kolichestvom zhiteley."
Maya riss der Geduldsfaden.
"Könnt ihr mal ruhig sein? Oder wollt ihr das uns irgendein Monster hört."
Dragon und Loras sahen zu ihr auf.
"Chto sluchilos'?" fragte Dragon.
"Nein, Bro. Sie will nur das wir still sind." antwortete Loras.
"Ponimat'".
Der Plan der Drei war, wenn man es einen Plan nennen konnte, erst einmal weiter ins Innere der Insel vorzudringen.
Sicherlich wäre es eine Idee gewesen, am Strand ein Lager aufzuschlagen, aber mehrere Gründe sprachen dagegen.
Erstens waren da die Toten.
Inzwischen mussten sie angefangen haben zu stinken und Maya konnte sich nicht vorstellen auch, nur eine Nacht dort zu verbringen.
Zweitens stellte die Monsterkatze immer noch eine Gefahr dar. Sicher, Loras wollte ihr immer noch nicht ganz glauben, aber selbst er musste eingestehen, dass die Toten Aasfresser und eventuell Raubtiere anlocken konnten.
Drittens – so schnell würden sie nicht gerettet werden!
So wie es aussah, war die "Erzwinger" komplett zerstört und auch, dass jemand mit Rettungsbooten entkommen war, glaubte Maya nicht. Selbst wenn es irgendwer mit den Booten weg geschafft hätte, wäre es unmöglich, damit über das große Meer des Mittelreichs zu segeln. Natürlich würde man im Imperium bemerken, dass etwas nicht stimmte wenn sich niemand von der "Erzwinger" meldete. Aber Funklöcher waren nicht selten in dieser Gegend und so würden Wochen vergehen, bis sich zu Hause jemand Sorgen machte. Ganz zu schweigen davon, das es weitere zwei Wochen brauchte um hier her zu gelangen.
Wenn denn überhaupt jemand gewillt war sie zu retten.
So wie es um das Imperium stand, war sich Maya nicht sicher ob man überhaupt ein weiteres Schiff entsenden konnte, nur um herraus zu finden was geschehen war.
Also erstmal so vorsichtig wie möglich Valar erkunden.
Überhaupt, sie hatten alle schon ziemlichen Hunger. Getrunken hatten sie ein wenig, als sie einen Bach nicht weit von den Ruinen entdeckt hatten.
Nahrung wäre die nächste Priorität.
Bevor all das jedoch in Angriff genommen werden konnte, stand erst mal die Nacht bevor. Inzwischen war es fast komplett dunkel und der Wald wurde immer kälter.
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Loras war dabei, allerlei dünne Äste und Blätter herbei zu schaffen aus denen er sich ein improvisiertes Nachtlager bauen konnte. Maya hatte das Gleiche vor, war sich aber noch nicht sicher, wo genau sie schlafen sollte.
Sie entschied sich, erst einmal kurz auszuruhen, setzte sich in eine Mauerecke in den Ruinen und deckte sich mit losem Laub zu.
Nur für ein paar Minuten, dachte Maya, nur bis meine Füße etwas weniger weh tun.
Natürlich schlief sie fast augenblicklich ein, trotz Kälte und Schmerzen... oder gerade deswegen.
Loras erwachte als er Rauch roch.
Zuerst war er alamiert, dann sah er Dragon, der nicht weit entfernt in einer Nische kauerte und ein kleines Feuer entzündet hatte. Die Flammen waren -
Halt.
Wie zum Teufel hatter er Feuer gemacht?
Das Einzige was der Mann aus dem Grab dabei hatte, war Mayas Jacke welche er sich um die Hüften geschlungen hatte. Ansonsten waren keine Kleidung und keine Gegenstände in dem Grab gewesen.
Loras setzte sich auf, Dragon winkte ihm zu.
Maya lag ein paar Schritt weiter links und sah wie ein menschlicher Laubhaufen aus, schien aber gut und fest zu schlafen.
Ein bisschen Wärme kann nicht schaden, dachte der Junge und setzte sich zu Dragon.
Sicher, es war seltsam das er ein Feuer mit nichts weiter als seinen Händen machen konnte, aber es tat so gut, sich einfach nur ein bisschen aufzuwärmen.
Inzwischen war es tiefste Nacht und man konnte einen fast vollen Mond durch die Baumkronen leuchten sehen.
Loras betastete den Verband um seine Hüfte.
Über der Wunde war er schon ganz rot von Blut, auch wenn der Junge vermutete, dass es nur gelegentlich blutete. Es schmerzte nicht mehr so sehr wie nach dem Aufwachen auf dem Sarg, als Maya ihn zuvor durch den halben Wald geschleppt hatte. Viel mehr fühlte sich die Stelle taub an und der Schmerz war in den Regionen ringsherum zu spüren.
Zudem führte jeder Atemzug von Loras zu einem unangenehmen Stechen in seiner Brustgegend. Das musste von dem riesigen Bluterguss kommen.
Dragon bemerkte wie Loras das Gesicht verzog und hob die Augenbrauen.
"Ty sil'no ranen?"
Loras schüttelte nur den Kopf. "Es gehts schon, nichts was nicht wieder von alleine abheilt..... hoffe ich..."
Dragon konnte nicht verstanden haben was er sagte, kam aber jetzt sichtlich besorgt näher und tastete Loras verband und Oberkörper ab.
"Hey, ähm was.. autsch... tust du? Ahh, das sticht!"
Dragon konzentrierte sich auf eine ganz bestimmte Stelle an Loras Rippen
"Bist du.. Artzt oder sowas?"
Der Mann schloss die Augen während er beide Handflächen auf die schmerzhafteste Stelle legte und sprach:
"Bladanan Sabanile"
Ein schwaches Leuchten ging von Dragos Händen aus, breitete sich über der Verletzung aus und wanderte den Bluterguss entlang. Der kaum wahrnehmbare Schein wanderte zu dem Verband um der Hüfte und umspielte auch dort die Verletzung. Nach zwei Minuten war das ganze Schauspiel vorbei und Loras... fühlte sich gesund!
Der Junge reckte die Arme hoch, aber der Schmerz blieb aus. Entgeistert blickte er Dragon an.
"Du... du.. wie hast du... bist du... ein Zauberer oder sowas?"
Der Mann zuckte nur mit den Schultern, als wüsste er selbst nicht ganz genau was passiert war. Erst jetzt fiel Loras auf, dass Dragons Nase, die er ihm mit dem Stein gebrochen hatte, vollkommen geheilt war und wieder perfekt gerade in seinem Gesicht saß.
Loras schauderte.
"Ok", sagte er. Und dann nochmal: "OK!"
"O-kay?" wqiederholte Dragon.
Loras blickte ihn an, dann stand er auf – ohne Schmerzen!
"Als nächstes Maya! Sie hat auch einige ziemlich fiese Schnitte davon getragen. Bitte heile sie auch!"
Erwartungsvoll zeigte er auf die schlafende junge Frau.
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Dragon stand ebenfalls motiviert auf – als ein knirschender Schritt außerhalb des Feuerscheins, irgendwo im nahen Wald ertönte.
Die beiden jungen Männer erstarrten.
Ein weiterer Schritt.
Es hörte sich an als würde jemand mit Schuhen aus aufeinanderreibenden Metallplatten durch das Unterholz schreiten.
"Schnell – verstecken", flüsterte Loras zu Dragon, welcher kein Wort seiner Sprache verstand.
Doch Loras achtete nicht darauf und schaufelte mit den Händen etwas Geröll und Erde auf das kleine Feuer. Dann rannte er so leise und schnell er konnte zu einer besonders dunklen Ecke der Ruinen und hockte sich dort hinter einen Strauch. Nicht das beste Versteck, aber es musste reichen.
Dragon hatte die Situation offenbar begriffen, aber anstatt sich einen tiefen Schatten zu suchen, machte er ein paar Schritte, sprang hoch und klammerte sich an den untersten Ast eines Baumes. Geschickt wie ein Eichhörnchen kletterte der Mann höher den Baum hinauf bis ihn die Nacht verschluckt hatte.
Wow, dachte Loras, als weitere Schritte ertönten.
Die Geräusche erklangen nun überall um sie herum im Wald. Beunruhigt sah er zu Maya hinüber. Das Mädchen schlief weiter als wäre nichts geschehen. Glücklicherweise war es auch dort wo sie schlief, ziemlich dunkel.
Als die ersten Gestalten die Ruinen betraten und Loras sah, was diese Geräusche verursachte, zogen sich sein Eingeweide zusammen und sein Herzschlag ging so schnell, dass er befürchtete man könne es durch den ganzen Wald hören.
Die Wesen waren etwas kleiner als normale Menschen, wirkten aber ziemlich stämmig. Ihre Körper waren überall mit Rüstungsteilen aus altem, rostigen Metall bedeckt. Ja, man konnte kein einziges Stückchen Haut der Kreaturen sehen, selbst auf den Köpfen trugen sie schwere Helme mit sehr, sehr schmalen Augenschlitzen. Die Männer aus Metall schlurften teilnahmslos durch die Ruinen.
Manche hatten sich alte, vermoderte Fetzen um die Körper geschlungen, um die Geräusche der Rüstungen zu dämpfen. Andere trugen Oberarmbinden mit verschiedenen Mustern welche wohl Flaggen waren. Einige hatten die Rüstungen sogar bemalt, allerdings schon vor so langer Zeit, dass die Farbe längst verblasste oder bei jedem Schritt in kleinen Flocken davon wehte.
Alle trugen Waffen.
Keine zivilisierten Waffen wie Gewehre, Pistolen oder Granaten. Keine Kampfmesser oder Schlagstöcke.
Nein, es waren archaische, brutale Hieb und Stichwaffen. Schwerter voller Scharten, Lanzen, teils mit abgebrochenen Spitzen, Hämmer mit Zacken und Bolzen darin, und Äxte auf denen noch eingetrocknetes Blut klebte. Erst auf den zweiten Blick erkannte Loras die mächtigen, fast mannsgroßen Schilde, die jeder der Krieger auf den Rücken geschnallt trug.
Trotz der großen Anzahl an Eisenmännern, es mussten vierzig oder mehr sein, verursachten sie abgesehen von ihren Schritten keinerlei Geräusche. Sie sprachen nicht, hielten die Waffen ruhig in den Händen und niemals hörte man einen von ihnen husten oder niesen.
So sehr Loras sich auch fürchtete, so sehr war er beeindruckt von den Kriegern.
Er hatte viele Marinesoldaten des Imperiums in Action gesehen, und Berichte von der Front gehört. Die Dinge die dort geschahen, die Schrecken aber auch die ausgeklügelten Strategien der Kommandanten – all das hatte ihm immer gehörig Respekt eingeflößt.
Aber diese metallenen, dreckigen, bis an die Zähne bewaffneten und unglaublich disziplinierten Krieger strahlten eine Aura des Todes aus.
Loras wusste – wenn sie ihn entdeckten, wäre es aus mit ihm.
Dennoch schienen die Verstecke der Drei gut genug zu sein. Sicherlich erwarteten die Eisenmänner keine Eindringlinge im Wald und suchten deshalb nicht jede dunkle Ecke ab. Vermutlich kamen sie nicht mal auf die Idee, jemand könne sich in diesen Ruinen verstecken. Hatten sie den Schein des Feuers gesehen bevor Lroas es gelöscht hatte? Die Flammen waren winzig gewesen und hatten kaum Licht gespendet.
Nichts passierte.
Die Krieger gingen weiter und die Ersten verschwanden schon wieder im Wald jenseits der Ruinen.
Es war in diesem Moment, als Maya ihre Augen aufschlug.
Sie ahnte nichts von der Gefahr, streckte die Arme aus und gähnte laut. Ein dutzend Köpfe in rostigen, stählernen Helmen drehten sich knirschend zu ihr um.
"MAYA – LAUF!" schrie Loras so laut er konnte.
Er wartete nicht ab was die junge Frau tat. Stattdessen machte er Lärm und brüllte herum um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, dann rannte er so schnell ihn seine Füße trugen in den Wald.
Warum tue ich das?
Der Gedanke kam ihn während der ersten Schritte.
Jetzt werden sie mich fangen und töten... mit diesen furchtbaren, scharfen und zackigen und... rostigen Waffen die sie dabei haben.
Er hörte Rascheln in den Baumkronen, auch Dragon musste sich in Bewegung gesetzt haben.
Loras Atem ging schon nach wenigen Sekunden keuchend. Er war es nicht gewohnt zu laufen, hatte den ganzen Tag nichts gegessen und außerdem zu wenig getrunken. Er sah kaum den Boden vor seinen Füßen und konnte Bäumen eher schlecht als recht ausweichen. Das Knirschen von vielen metallenen Stiefeln hinter ihm wurde lauter.
Längst hatte er die Orientierung verloren, wusste nicht, ob er Richtung Strand lief oder tiefer ins Landesinnere.
Ein Schrei ertönte irgendwo. Maya! Das war eindeutig sie! Hatten die Krieger sie erwischt?
War sie…….
Loras Gedanken endeten, als die gewaltige Gestalt einer geflügelten Katze vor ihm landete.
Maya rannte so schnell sie konnte... was nicht gerade schnell war.
Ihre verletzte Ferse pochte, längst hatte sich der Verband gelöst. Sie wusste nicht was los war, hatte nur Loras Ruf gehört und diese schrecklichen Krieger in den Ruinen gesehen.
Es war keine Zeit geblieben Fragen zu stellen oder zu sehen wo Dragon war .
Also rannte sie mit dem Schwert in der Hand durch den Wald.
Halt... wann hatte sie das Schwert aufgenommen? Egal. Laufen!
Viele Gestalten bewegten sich kanpp hinter ihr durch die Nacht, sie schlossen auf! Zudem kam es Maya vor als würden die Bäume weniger werden und immer wieder waren größere Ruinen in einigen Schritt Entfernung schemenhaft zu erkennen.
Der weiche Waldboden wich nun unsicherem, scharfkantigen Geröll, immer mal wieder stachen Holzbretter oder Metallteile daraus hervor.
Eine Gestalt sprang sie von der Seite an.
Maya fluchte und riss die Arme hoch.
Einer der Krieger rammte sie im vollen Lauf, ihr Körper schien nicht einmal sonderlich Wiederstand dagegen zu leisten. Sie spürte wie ihr Kopf auf Stein schlug, wie ihr die Sinne zu schwinden drohten. Irgendwie kam sie hoch.
Wo war der Krieger der sie gerammt hatte? Egal. Weiter laufen!
Etwas Warmes rann ihr die Wange und den Hals hinunter.
Maya hielt den Blick gesenkt, ihr Kopf tat so weh und sie sah ja sowieso nichts. Kurz darauf prallte sie gegen eine alte Mauer. Brauchte eine Sekunde um sich zu fangen und rannte dann weiter.
Etwas schlug neben ihr in den Boden.
Ein Stock? Nein, ein Speer!
Sie griff das Schwert fester, hatte es wie durch ein Wunder noch in der Hand.
Maya lief nun zwischen besser erhaltenen Ruinen alter Steinhäuser hindurch. Wo war der Wald abgeblieben? Wie lange flüchtete sie schon?
Sie kam an eine Kreuzung, links oder rechts?
Die junge Frau blieb einen Moment stehen.
Schwerer Fehler.
Etwas traf sie von hinten im Oberschenkel, Maya rannte nach rechts. Schrie dabei vor Schmerzen welche sich brennend in ihrem Bein ausbreiteten.
Mehr Geschosse hagelten überall um sie nieder. Sie rannte, wobei es nun eher ein Taumeln, von einer Häuserwand zur nächsten war.
Schmerzen. Im Oberschenkel, im Rücken, in der linken Schulter.
Maya sah eine Türöffnung – eine letzte Chance?
Sie rannte hinein, bemerkte noch ihren Fehler... und stürzte dann in den dunklen Abgrund des Hauses, welches keinen Boden zu haben schien.
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